Pressemitteilung zum Rücktritt des Vorsitzenden

Hiermit trete ich mit sofortiger Wirkung als Vorsitzender des Stadtelternrates Frankenberg/Sa. zurück und stehe diesem nicht mehr als delegiertes Mitglied des Elternrates der Astrid-Lindgren-Grundschule Frankenberg/Sa. zur Verfügung.

Weiterhin trete ich mit sofortiger Wirkung als Vorsitzender des Elternrates der Astrid-Lindgren-Grundschule Frankenberg/Sa. (nicht des Hortes) und Mitglied ihrer Schulkonferenz zurück.

Auch trete ich als Vertretung des Elternrates der Astrid-Lindgren-Grundschule Frankenberg/Sa. im Kreiselternrat Mittelsachsen zurück.

Frankenberg, den 24.04.2017
Ronny Kämpfe

 

 

Persönliche Stellungnahme

Alles neu macht der Mai,
macht die Seele frisch und frei.

Damit das auch wirklich klappt, trete ich mit sofortiger Wirkung als Vorsitzender des Elternrates der Astrid-Lindgren-Grundschule Frankenberg/Sa. (nicht des Hortes) und Mitglied ihrer Schulkonferenz zurück.

Weiterhin trete ich als Vertretung des Elternrates der Astrid-Lindgren-Grundschule Frankenberg/Sa. im Kreiselternrat Mittelsachsen zurück.

Und da aller guten Dinge drei sind, trete ich mit sofortiger Wirkung als Vorsitzender des Stadtelternrates Frankenberg/Sa. zurück und stehe diesem nicht mehr als delegiertes Mitglied des Elternrates der Astrid-Lindgren-Grundschule Frankenberg/Sa. zur Verfügung.

Wenn

  • ElternMITWIRKUNG in Kitas und Schulen unerwünscht ist,
  • von keiner Seite verstanden wird, dass es bei ElternMITWIRKUNG und ElternVERTRETUNG in Kitas und Schulen nicht um nicht um einen selbst geht,
  • nicht verstanden wird, dass es primär um die Kids und nicht um persönliche Befindlichkeiten von Erziehern, Lehrern und Eltern geht,
  • Ideen, Vorschläge, Anregungen und Fragen immer und überall als Kritik gewertet werden, man sich angegriffen fühlt und alles im Keim erstickt wird,
  • vertrauensvolle Zusammenarbeit nur auf dem Papier steht,
  • man stundenlang über Dinge diskutiert, die im Sinne der Kids ohne Diskussion und teilweise sogar ohne (finanziellen) Aufwand selbstverständlich umzusetzen wären,
  • Engagement seit Jahren größtenteils gegen Windmühlen läuft,
  • und großen Teilen der Basis, die man vertritt, sowieso alles egal ist,

muss ich ganz einfach für mich persönlich einsehen, dass diese Arbeit keine Ergebnisse bringen kann.

Gesetzliche Grundlagen:

Grundgesetz
Art 6
(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht...

Sächsische Verfassung
Art 101 [Grundsätze der Erziehung und Bildung]
(2) Das natürliche Recht der Eltern, Erziehung und Bildung ihrer Kinder zu bestimmen, bildet die Grundlage des Erziehungs- und Schulwesens...

Sächsische Verfassung
Art 104 [Innerschulische Mitbestimmung]
(1) Eltern und Schüler haben das Recht, durch gewählte Vertreter an der Gestaltung des Lebens und der Arbeit der Schule mitzuwirken.

Gesetz über Kindertageseinrichtungen (sächs. Kitagesetz)
§ 6 Mitwirkung von Kindern und Erziehungsberechtigten
(1) Die Erziehungsberechtigten wirken durch die Elternversammlung und den Elternbeirat bei der Erfüllung der Aufgaben der Kindertageseinrichtung, die ihre Kinder besuchen, mit. Sie sind bei allen wesentlichen Entscheidungen zu beteiligen. Dies gilt insbesondere für die Fortschreibung oder Änderung der pädagogischen Konzepte und für die Kostengestaltung.

Sächsisches Schulgesetz (auch das neue)
§ 45 Elternvertretung
(1) Die Eltern haben das Recht und die Aufgabe, an der schulischen Erziehung und Bildung mitzuwirken. Die gemeinsame Verantwortung von Eltern und Schule für die Erziehung und Bildung der Schüler erfordert ihre vertrauensvolle Zusammenarbeit. Schule und Eltern unterstützen sich bei der Erziehung und Bildung.
(2) Das Recht und die Aufgabe, die Erziehungs- und Bildungsarbeit der Schule zu fördern und mitzugestalten, nehmen die Eltern
1. in der Klassenelternversammlung, durch den Klassenelternsprecher, die Elternräte und die Vorsitzenden der Elternräte (Elternvertretung);
2. in der Schulkonferenz und
...
wahr.

Sozialgesetzbuch (SGB) - Achtes Buch (VIII) - Kinder- und Jugendhilfe
§ 22a Förderung in Tageseinrichtungen
(2) Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe sollen sicherstellen, dass die Fachkräfte in ihren Einrichtungen zusammenarbeiten
...
3. mit den Schulen, um den Kindern einen guten Übergang in die Schule zu sichern und um die Arbeit mit Schulkindern in Horten und altersgemischten Gruppen zu unterstützen.

Die Erziehungsberechtigten sind an den Entscheidungen in wesentlichen Angelegenheiten der Erziehung, Bildung und Betreuung zu beteiligen.

Gesetze und Verordnungen sind das eine, deren Umsetzung das andere. Wenn Elternmitwirkung an zig Stellen vorgeschrieben ist, aber niemand über ihre Umsetzung „wacht“, ist das wie die Straßenverkehrsordnung ohne kontrollierende Polizei und Straßenverkehrsbehörden. Leider musste ich in den letzten mehr als drei Jahren feststellen, dass Theorie und Praxis bei vielen meiner Berührungspunkte weit voneinander entfernt sind - mit einer großen Ausnahme. Dazu kommt ein immense Desinteresse: "irgendjemand müsste sich vielleicht mal drum kümmern". Dies ist aber alles nicht wirklich schlimm, es geht ja nur um unsere Kinder.

  • Stopfen wir diese doch weiterhin in überfüllte Busse, stört ja nicht.
  • Lassen wir die Kids anschreien bis sie heulen, einpullern vor versammelter Mannschaft, an den Haaren ziehen, anpacken, dass sie blaue Flecke haben, lassen sie demütigen - das trägt sicherlich positiv zur Entwicklung bei und ist absolut in Ordnung; abgesehen davon haben wir das schon immer so gemacht. Einzelfälle? Na klar. Na dann ist es ja nicht schlimm. Es interessiert erst, wenn man selbst der Einzelfall ist - und die genannten Beispiele liegen alle real auf meinem Tisch.
  • Lassen wir uns doch auch zukünftig ins Gesicht lügen und zustimmend nicken.
  • Lassen wir uns eine Meinung bilden, statt selbst zu denken.
  • Lassen wir uns für dumm verkaufen, mit Überzeugung andere entlasten und deren Arbeit übernehmen, obwohl es deren Job ist – unsere eigenen Aufgaben und Pflichten wälzen wir aber im Gegenzug ebenso auf andere ab.
  • Meckern wir fleißig und aktiv in sozialen Medien, bleiben aber inaktiv im wahren Leben - besonders wenn es um die Kids geht - irgendjemand wird sich schon darum kümmern.

Ich wünsche mir von Herzen, dass sich Elternmitwirkung zukünftig positiv entwickelt, das Potential ist da. Der Stadtelternrat ist in Veränderung, quasi im Generationenwechsel. Mitglieder der ersten Stunde sind ausgeschieden oder werden es bald, im Gegenzug gibt es viele neue Mitglieder, die sich sehr gern engagieren. Ihnen allen wünsche ich viel Erfolg und eine gute Zusammenarbeit. Mein Slogan der letzten drei Jahre drückt es am besten aus: MITEINANDER für die Kids!

Alles neu, frisch und frei
macht der holde Mai.

Ronny Kämpfe

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